Die Deutsche Hockey-Zeitung schreibt

in ihrer Ausgabe 31 vom 27.9.2001




Bundestrainer loben Bestreben "zu offensivem und konstruktivem Spiel"



Die Auswahlmannschaften Hamburgs haben bei den Spielen um den Franz-Schmitz-Pokal (männlich) sowie Hessenschild (weiblich) in Stuttgart ihren Doppelerfolg vom Dezember in der Halle in Mannheim (Rhein-Pfalz-Pokal bzw. Berlin-Pokal) wiederholt.

Während die Mädchen aus der Hansestadt damit gleichzeitig ihren Triumph aus dem Vorjahr (2:1 gegen Hessen) mit einem 1:0 in der Neuauflage dieses Finales bestätigten, bezwangen die Hamburger Jungen als Vorjahresvierten den Gewinner der letzten fünf Jahre, West, mit 2:1. Zwei Tage lang war auf den zwei Kunstrasenplätzen des HTC Stuttgarter Kickers größtenteils gutes Hockey zu sehen, besonders lobten die beiden anwesenden Bundestrainer Uli Forstner und Heino Knuf das Bestreben der jeweils sechs Endrundenteams "zu offensivem und konstruktivem Spiel". Da wollte jeder mitspielen, auch wenn es bei einigen mitunter doch spielerische Defizite gab. So hielten bei den Jungen wie bei den Mädchen die schließlich Sechstplatzierten jungen Teams von Rheinland-Pfalz/Saar bzw. Baden-Württemberg in ihren jeweiligen Begegnungen durchaus mit, machten aber letztlich zu viele individuelle Fehler oder scheiterten an ihrer Abschlussschwäche.
Schon früh kristallisierten sich die späteren Endspielpaarungen heraus. Die sehr ausgeglichen besetzten Teams aus Hamburg und West zeigten im männlichen Bereich laut Bundestrainer Forstner bereits am ersten Tag „starkes Hockey mit hohem Tempo“, im direkten Duell hatte im Gruppenspiel zunächst West mit 2:0 die Nase vorn - obwohl mit Christoph Menke und Niklas Kemper zwei Jugendnationalspieler nicht dabei waren. Doch auch Berlin und Bayern (ohne Stütze Victor Graumann) überzeugten den DHB-Coach, der mit Torwart Johannes Dieterich (Berliner HC) einen neuen Namen in sein Notizbuch notierte.
„Auffällig“ seien ferner Ingo Stralkowski und Benjamin Weß (beide Uhlenhorst Mulheim), Jonathan und Felix Fröschle, Alessio Ress, Kim Felixmüller (alle Harvestehuder THC), Kevin Lim (Zehlendorf 88) sowie Sören Michel (Münchner SC) und Christof Romann (Nürnberger HTC) gewesen. Knuf wiederum wollte Lena Jacobi (Rüsselsheimer RK), Katharina Schultz (Hanauer THC), Julia Müller (Harvestehuder THC) besonders hervorheben, die allesamt „wenig eigene Fehler machen und zudem ein Spiel lesen können“. Das gesamte Niveau habe sich durch die DHB-Maßnahme, sich bei den Mädchen dem Modus bei den Jungen anzugleichen und den älteren Jahrgang 1985 noch einmal mitmachen zu lassen, erheblich gegenüber dem Vorjahr verbessert. Nachteil sei aber sicherlich, dass die in diesem Jahr gesichteten Jahrgänge 1986 und 1987 somit unterrepräsentiert seien.
Verbesserungswürdig, so Knuf, sei bei vielen aber die individuelle Entscheidung („Vielfach zu wenig ausgeprägt“) sowie die Eckenabwehr bei den Torhüterinnen („Da sind mir viele viel zu aufrecht“). Während er von Hessen „positiv überrascht“ war und auch Hamburg lobte, attestierte er den anderen Teams mit Ausnahme der West-Vertretung, im Rahmen ihrer Möglichkeiten gespielt zu haben.
Bundesjugendwart Wolfgang Hillmann zollte ebenso wie Bundesmädchenwartin Hella Kämper der Organisation des gastgebenden Vereins HTC Stuttgarter Kickers, der am Ende der zweitägigen Veranstaltung für alle Teilnehmer ein personliches Digitalbild sowie für den jeweiligen Verband ein gerahmtes Mannschaftsfoto übergab, dessen Küche im Vereinsheim und dem veranstaltenden Hockeyverband Baden-Württemberg großes Lob. Kämper bedauerte allerdings, dass bei dieser großen Jugendveranstaltung und Nachwuchssichtung des DHB nur so wenig Besucher auf die schöne Anlage auf Degerlochs Höhen kamen.
Sehr zufrieden war Bundesliga-Schiri Knut Lohrisch (München) als Beobachter der eingesetzten Nachwuchsschiris, die „das Gesagte auch annehmen“ und vor allem bei der Auslegung der Vorteilsregel überzeugten. Allerdings, im ausgeglichenen Finale der Jungen, in dem sich die Mannschaft von Trainer Markku Slawyk durch ihre größere Kampfkraft den Sieg verdiente, ging nach einer Strafecke dem schließlich folgenden Siebenmeter ein zuvor nicht geahndeter Fußfehler der Hamburger voraus. West war zuvor durch Tobias Lietz (RTHC Leverkusen) in Führung gegangen, Fabian Pehlke (Harvestehuder THC) hatte dann zweimal getroffen.
Bei den durchweg sehr fairen Spielen gab es bei den Jungen einige wenige gelbe Karten, bei den Mädchen sogar überhaupt keine einzige.
Der Trainer des siegreichen Mädchenteams aus Hamburg, das sich im Laufe des Turniers von Spiel zu Spiel - insbesondere in der Abwehr - steigerte und kein Gegentor erhielt, Michi Behmann, sah „in diesem sehr anspruchsvollen Finale auf beiden Seiten viel Tempo und Einsatzbereitschaft“. Der Sieg sei, auch wenn er durch eine abgefälschte Strafecke durch Julia Müller etwas glücklich zustande kam, sicherlich verdient.
Beste Torschutzinnen waren jeweils dreimal die schon erwähnten Julia Müller und Lena Jacobi, bei den Jungen Kim Felixmüller mit vier Treffern. Das torreichste Treffen war das Spiel um Platz drei bei den Jungen zwischen Berlin und Bayern, das erstere nach einem 4:4 nach regularer Spielzeit mit 9:8 im Siebenmeterschießen für sich entschieden. Die gleiche Paarung gab es im kleinen Finale der Mädchen, hier revanchierte sich Bayern mit einem 4:1 über die Hauptstädter.
Hans-Joachim Heinz

 

DIE SIEGERTEAMS

Hessenschild

Hamburger Hockey-Verband
Tanja Friedmann,
Katherina Otte
(beide Großflottbeker THGC),
Nora Feld,
Saskia Hauke,
Julia Müller,
Sarah Siepmann,
Anne-Rieke Stuhlmann,
Esther Krebs
(alle Harvestehuder THC),
Fina Gentsch,
Catherina Stoltenberg,
Nikola Heimreich
(alle Klipper Hamburg),
Antonia Hille,
Janne Müller-Wieland,
Carlotta Paulus,
Jennifer Plass
(alle UHC Hamburg),
Franziska Brokelmann
(HC Lüneburg).
Trainer: Marc Herbert,
Co-Trainer: Michael Behrmann,
Betreuerin: M. Fischer.

Franz-Schmitz-Pokal
Hamburger Hockey-Verband
Daniel Georgantes,
Felix Fröschle,
Jonathan Fröschle,
Johannes Stroda,
Christopher Borchard,
Fabian Pehlke,
Alessio Ress,
Kim Felixmüller,
Raphael Schleef
(alle Harvestehuder THC),
Emmanuell Baar,
Stefan Witte
(beide Großflottbeker THGC),
Sören Zeitler
(TTK Sachsenwald),
Sönke Rosenkranz,
Jonas Fürste,
Philip Grosser
(alle UHC Hamburg),
Johannes Warther
(Klipper Hamburg).
Trainer: Markku Slawyk,
Co-Trainer: Knut Bludau,
Betreuer: Michael Schütte.